Smartphone mit digitaler Bezahlkarte auf einem Schreibtisch

Eine Kreditkarte ohne Plastik klingt zunächst nach einem Widerspruch. Tatsächlich ist die virtuelle Kreditkarte längst Standard: Diese Kreditkarte besteht nur aus Kartennummer, Ablaufdatum und Prüfziffer und existiert ausschließlich in einer App. Bezahlt wird damit online oder kontaktlos über das Smartphone.

Für Unternehmen und Privatnutzer löst diese Karte ein konkretes Problem. Wer online einkauft, gibt bei jedem Kauf seine Kartendaten preis. Wird ein Shop gehackt, ist die physische Kreditkarte kompromittiert und muss gesperrt werden. Bei einer virtuellen Kreditkarte betrifft der Schaden nur diese eine Kartennummer. Der Gewinn an Sicherheit ist damit erheblich.

Schritt 1: Verstehen, wie eine virtuelle Kreditkarte funktioniert

Technisch ist die virtuelle Kreditkarte eine vollwertige Kreditkarte. Sie läuft über dieselben Netzwerke wie eine physische Karte, meist Visa oder Mastercard, und wird von Händlern genauso akzeptiert.

Der Unterschied liegt in der Ausgabe. Statt eine Karte per Post zu verschicken, stellt der Anbieter die Kartendaten digital bereit. Sie erscheinen direkt in der App und sind innerhalb weniger Minuten nach der Beantragung nutzbar.

Man unterscheidet drei Typen:

  • Dauerhafte virtuelle Karten. Diese virtuelle Kreditkarte funktioniert wie eine normale Kreditkarte, nur eben ohne Plastik. Die Kartennummer bleibt über Jahre gleich.
  • Einmalkarten. Die Kartennummer verfällt nach einer einzigen Zahlung. Ideal für Käufe bei unbekannten Shops.
  • Abo-Karten. Für jeden wiederkehrenden Dienst wird eine eigene Karte angelegt. Wird ein Abo gekündigt, löschen Sie einfach die zugehörige Karte.

Die meisten Anbieter erlauben es, mehrere virtuelle Kreditkarten parallel zu führen. Jede Karte bekommt ein eigenes Limit und lässt sich einzeln sperren, ohne dass die anderen Karten betroffen sind. Das Anlegen ist dabei meist kostenlos.

Schritt 2: Die Vorteile einrechnen

Der wichtigste Vorteil einer virtuellen Kreditkarte ist die höhere Sicherheit beim Bezahlen im Internet. Vier weitere kommen hinzu:

Sofort verfügbar. Zwischen Antrag und erster Zahlung liegen oft nur Minuten. Bei einer physischen Kreditkarte vergehen dagegen mehrere Tage Postlaufzeit.

Volle Kostenkontrolle. Für jede Karte legen Sie ein eigenes Limit pro Monat fest. In Unternehmen bekommt jeder Mitarbeiter oder jedes Projekt eine eigene virtuelle Kreditkarte, wodurch sich Ausgaben sauber zuordnen lassen.

Keine Gefahr durch Verlust. Eine digitale Karte kann nicht im Taxi liegen bleiben. Selbst wenn das Smartphone verloren geht, sind die Kartendaten durch Gerätesperre und App-Login geschützt.

Weniger Gebühren. Viele Anbieter geben eine virtuelle Kreditkarte kostenlos aus, weil Produktion und Versand entfallen. Auch Ersatzkarten sind in der Regel kostenlos.

Für digitale Abonnements ist die virtuelle Kreditkarte besonders praktisch. Streamingdienste, Software-Lizenzen und Cloud-Speicher lassen sich über getrennte Karten abrechnen. So sehen Sie jeden Monat auf einen Blick, welcher Dienst was kostet.

Schritt 3: Grenzen kennen

Nicht jede Situation eignet sich für eine virtuelle Karte. Drei Einschränkungen sind relevant:

Mietwagen und Hotels. Viele Anbieter verlangen eine physische Kreditkarte für die Kaution, weil sie die Karte beim Check-in einlesen wollen. Hier hilft nur eine echte Karte im Portemonnaie.

Bargeldabhebung. Am Automaten funktioniert die virtuelle Kreditkarte nur, wenn sie in Apple Pay oder Google Pay hinterlegt ist und der Automat NFC unterstützt. Das ist in Deutschland noch nicht flächendeckend der Fall.

Ältere Zahlungssysteme. Manche Onlineshops und fast alle Offline-Terminals ohne Kontaktlosfunktion kommen mit rein digitalen Karten nicht zurecht.

Aus diesen Gründen bieten die meisten Anbieter beides an: eine physische Kreditkarte für den Alltag und beliebig viele virtuelle Karten fürs Internet. Wer die Konditionen verschiedener Modelle vergleichen möchte, findet auf das Portal Kreditkartenvergleich.net eine Übersicht mit Gebühren und Leistungen.

Schritt 4: Den passenden Anbieter auswählen

Der Markt für virtuelle Kreditkarten hat sich stark ausdifferenziert. Diese Kriterien helfen bei der Auswahl:

Kriterium Worauf achten
Kartentyp echte Kreditkarte, Debit- oder Prepaid-Karte?
Anzahl Karten wie viele virtuelle Karten sind inklusive?
Gebühren Jahresgebühr, Fremdwährungsentgelt, Kosten pro Karte
Wallet-Integration funktioniert die Karte mit Apple Pay und Google Pay?
Limits frei einstellbar oder fest vorgegeben?
Physische Karte ist eine Plastikkarte zusätzlich erhältlich?

Diese sechs Punkte entscheiden, ob eine virtuelle Kreditkarte zum eigenen Bedarf passt.

Achten Sie besonders auf den Kartentyp. Viele Angebote, die als virtuelle Kreditkarte beworben werden, sind technisch Debitkarten und buchen sofort ab. Für Mietwagenbuchungen und Hotelkautionen wird das gelegentlich abgelehnt.

Schritt 5: Sicher damit bezahlen

Eine virtuelle Kreditkarte bietet mehr Sicherheit als eine physische, ist aber nicht unverwundbar. Vier Gewohnheiten erhöhen den Schutz zusätzlich:

  1. Für jeden Abo-Dienst eine eigene Karte anlegen. So bleibt bei einem Datenleck nur ein Dienst betroffen.
  2. Limits eng setzen. Ein Streamingdienst für 15 Euro braucht kein Kartenlimit von 2.000 Euro.
  3. Push-Benachrichtigungen aktivieren. Jede Zahlung erscheint sofort auf dem Smartphone, verdächtige Buchungen fallen binnen Sekunden auf.
  4. Nicht genutzte Karten löschen. Eine Karte, die seit einem Jahr keine Zahlung gesehen hat, gehört gesperrt.

Kommt es doch zu einer unberechtigten Abbuchung, gilt für die virtuelle Kreditkarte dieselbe Haftungsgrenze wie bei jeder Kreditkarte: maximal 50 Euro, sofern Sie den Vorfall unverzüglich melden. Weitere Empfehlungen zum sicheren Bezahlen im Netz gibt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, etwa zur Zwei-Faktor-Authentifizierung, die inzwischen bei jeder Kreditkarte Pflicht ist.

Häufige Fragen zur virtuellen Kreditkarte

Ist eine virtuelle Kreditkarte eine echte Kreditkarte? Das kommt auf den Anbieter an. Manche geben eine echte Kreditkarte mit Zahlungsziel aus, die meisten eine Debitkarte, die sofort abbucht. Beide funktionieren online identisch, bei Mietwagen und Hotels macht der Unterschied sich bemerkbar.

Kann ich eine virtuelle Kreditkarte ohne Schufa bekommen? Ja. Prepaid-Karten auf Guthabenbasis werden ohne Bonitätsprüfung ausgegeben. Eine echte Kreditkarte mit Kreditrahmen setzt dagegen fast immer eine Schufa-Abfrage voraus.

Wie viele virtuelle Karten kann ich anlegen? Je nach Anbieter zwischen einer und mehreren Dutzend. Bei Anbietern für Unternehmen sind 100 Karten und mehr üblich, weil jedes Projekt eine eigene Karte bekommt.

Funktioniert die Karte im Ausland? Ja, überall dort, wo Visa oder Mastercard akzeptiert werden. Achten Sie auf das Fremdwährungsentgelt, das je nach Anbieter zwischen 0 und 2 Prozent liegt.

Für wen sich der Umstieg lohnt

Eine virtuelle Kreditkarte ist kein Nischenprodukt mehr, aber auch nicht für jeden nötig. Sinnvoll ist sie vor allem für:

  • Menschen, die häufig online einkaufen und viele Abos verwalten
  • Unternehmen, die Ausgaben mehrerer Mitarbeiter sauber trennen wollen
  • alle, die schon einmal Opfer von Kartenbetrug wurden
  • Reisende, die eine Zweitkarte als Reserve brauchen, ohne zwei Plastikkarten mitzunehmen

Wer dagegen selten online zahlt und ohnehin nur eine Kreditkarte nutzt, gewinnt wenig. Für alle anderen ist die Kombination aus einer physischen Kreditkarte und mehreren virtuellen Karten inzwischen die praktischste Lösung.

Die Entwicklung geht ohnehin in diese Richtung. Was bei der Digitalisierung von Prozessen oft am Change Management scheitert, funktioniert beim Bezahlen erstaunlich reibungslos: Die Nutzer haben den Wechsel längst vollzogen, während viele Systeme noch auf Plastik ausgelegt sind. Ähnlich wie bei vernetzten Anlagen entscheidet auch hier die physische Basis darüber, wie weit die Digitalisierung tatsächlich trägt.

Von D4D Team